Schlechte Stimmung, seltene Empfehlung

Je schlechter die Stimmung in der StB-Kanzlei ist, desto weniger sind die Angestellten gewillt, die Kanzlei möglichen Mandanten weiterzuempfehlen. Mangelnde Strategie oder fehlende Digitalisierung hingegen wirken sich nur wenig aus.

Der Befund der Valtaxa-Studie unter 660 Angestellten in deutschen Steuerberatungskanzleien ist eindeutig: Schlechte Stimmung in der Kanzlei wirkt sich nicht nur negativ auf die Weiterempfehlung der Kanzlei als möglicher Arbeitgeber und Kündigungspläne aus, sondern auch auf die professionelle Empfehlung an potenzielle Mandanten. Die im Frühjahr 2018 erschienene Befragung des erst 2017 neu gegründeten Verbands für Angestellte in steuerberatenden Berufen, zeigte zudem eine hohe Korrelation zwischen negativ empfundenem Vorgesetztenverhalten und geringer fachlicher Weiterempfehlungsneigung. Nur rund ein Viertel der Befragte empfahl seine oder ihre Kanzlei als Steuerberatung weiter. Unter allen Befragten lag die Weiterempfehlungsquote sonst bei zwei Dritteln. Positiv wahrgenommene Stimmung und Vorgesetzte steigerten die Weiterempfehlung hingegen deutlich. Beim Bestwert für Vorgesetztenverhalten auf 96 Prozent, beim Bestwert für Stimmung immerhin noch auf 92 Prozent.

Strategie und Digitalisierung weniger entscheidend

Eine mangelnde (ohne zumindest den Angestellten unbekannte) Strategie der Kanzlei senkte zwar auch die Weiterempfehlungsquote, jedoch blieb sie immerhin noch über 50 Prozent. Bei Kanzleien, die offenbar noch keinerlei Empfinden für die Veränderungsnotwendigkeiten der Digitalisierung haben, sankt die fachliche Weiterempfehlung auf 40 Prozent, doch auch wenn Kanzleien in allen Digitalisierungsbereichen wie Digitalfahrplan, Digitalisierungsfreiräume und „Notwendigkeit erkannt“ Bestnoten erzielen, bleibt die Weiterempfehlung mit 91 Prozent unterhalb der Quoten bei guter Stimmung und Vorgesetztenverhalten. Das heißt, dass letztlich auch Kanzleien, die beispielsweise die Investitionen in Digitalisierung scheuen, mit guter Stimmung und fairen Vorgesetzten eine relativ hohe fachliche Weiterempfehlungsquote haben. Allerdings zeigte sich auch, dass Kanzleien, bei denen Stimmung und Chef gut abschneiden, in der Regel auch über eine zeitgemäße (Sensibilisierung für) die digitalen Herausforderungen haben. Denn nur eine von 660 Kanzleien hat offenbar miserable Digitalnoten, aber trotzdem eine gute Stimmung in der Kanzlei.

Empfehlungsfaktor Mitarbeitergespräch

Übrigens: Schon eine einzelne Maßnahme kann helfen, sowohl die Stimmung als auch die fachliche Weiterempfehlungsquote zu senken: regelmäßige Mitarbeitereinzelgespräche. Nehmen sich Vorgesetzte die Zeit für einen individuellen Austausch mit ihren Angestellten, so steigt die Weiterempfehlungsquote von 59 auf 76 Prozent.

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