„Ich finde es unpassend, Preise zu diskutieren“

Stefan Müller-Arends hat Mauser zum Milliardenkonzern aufgebaut, jetzt restrukturiert er den Gerüstbauer Muehlhan. Neben einer kleineren Beteiligung an Muehlhan gehört Müller-Arends ein Drittel des Schwerter Mittelständlers Resch, wo er Geschäftsleiter Finanzen ist. Hier sagt er, worauf es ihm bei Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten ankommt.

„In Italien gibt es den Commercialista – der ist eine Art Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Und der engste Vertraute des Unternehmers. Er weiß alles vom Unternehmen, auch die Themen, die nicht unbedingt für die Augen des Finanzamts gedacht sind. Das ist natürlich anders bei uns in Deutschland, aber Steuerberater und Rechtsanwälte genießen auch hierzulande bei Unternehmern großes Vertrauen. Die Wirtschaftsprüfer hingegen sind für mich als Berater und Vertraute nicht relevant. Man braucht sie von Gesetzes wegen, aber letztlich sind sie austauschbar. Abgesehen davon, dass ich nachts ein bisschen besser schlafen kann, wenn mir ein namhafter Wirtschaftsprüfer sein Testat erteilt hat, ist der Mehrwert für mich überschaubar. Kennzahlen will ich von ihm nicht vorgerechnet bekommen, die haben wir schneller und passgenauer im Controlling selber erstellt.

Stefan Müller-Arends

Jahrgang 1958, verheiratet, zwei Kinder. Nach Stationen bei der Rheinbraun AG und DMC-Gruppe war er zwölf  Jahre Vorstandsvorsitzender beim Verpackungshersteller Mauser. Dort realisierte er gemeinsam mit Private-Equity-Investoren eine Buy-and-Build-Strategie. Nach einem Intermezzo als M&A-Berater und strategischer Berater des US-Industrieverpackungsproduzenten Greif ist er seit Mai 2011 Vorstandsvorsitzender der Muehlhan AG in Hamburg. Seit September 2017 sitzt er im Advisory-Board des Schweizer Containerherstellers Thielmann. Zudem ist er seit 2011 Geschäftsleiter Finanzen und Miteigentümer des Familienunternehmens Resch in Schwerte mit derzeit 16 Millionen Euro Jahresumsatz.

Dass der gefühlte Mehrwert von Wirtschaftsprüfern gering ist, erkennt man an den geringen Margen – die Sparte ist ja auch meist das wirtschaftliche Sorgenkind bei den großen Gesellschaften. Das Geld verdienen die Big Four woanders. Weil die Wirtschaftsprüfung enge Margen hat, kehren sie die Bilanz auch nur „besenrein“; die können zu dem Preis gar nicht alles finden, die Zeit zahlt ihnen niemand.

Den letzten Wirtschaftsprüfer haben wir gewechselt, weil es einfach wichtig ist, von Zeit zu Zeit zu wechseln. Neue Besen gut kehren – und so hat der neue dann auch gleich ein paar Ungereimtheiten gesehen, die zum Glück jedoch nicht ergebnisrelevant waren. Aber: Durch ihre auftragsbedingte Rückwärtsgewandtheit helfen mir die Wirtschaftsprüfer unternehmerisch herzlich wenig. Die relevanten Themen sind dann alle schon gelaufen.

Ganz anders ist es da bei meinem Steuerberater und den Rechtsanwälten. Bei Muehlhan spielt der Steuerberater keine besonders große Rolle, weil die Gestaltungsspielräume eher klein sind. Die Musik spielt da eher auf der Ebene der Anteilseigner. Ich selbst halte knapp 6 Prozent am Unternehmen. Der Steuerberater – so meine Erfahrung – ist bei Unternehmen mit nur einem einzigen Familiengesellschafter wichtig, bei den Würths dieser Welt. Sonst sind es eher die persönlichen Steuerberater der Gesellschafter. Mit meinem Steuerberater von Flick Gocke Schaumburg spreche ich alles durch. Beispielsweise meine Erbregelung. Das ist wichtig, in diesem Sommer werde ich 60. Er weiß ganz genau, was mich umtreibt.

Rechtsanwalt engster Vertrauter

Bei Resch benötigen wir nur selten die Dienste von Rechtsanwälten, aber bei Muehlhan sind die Rechtsanwälte meine engsten Vertrauten. Wenn es um die Entlassung eines Topmanagers oder eine M&A-Transaktion geht, ist man als Manager häufig überfordert. In so einer Ausnahmesituation – Zeitdruck, Unsicherheit – erlebt einen der Anwalt ungefiltert. Wenn man diese Herausforderung gemeinsam meistert, schweißt das zusammen. In solchen Momenten entsteht tiefes Vertrauen.

Die Qualität der Beratung und die Zuverlässigkeit in der täglichen Zusammenarbeit sind für mich am wichtigsten. Einmal hatte ich einen sehr guten Anwalt in Hamburg. Aber er rief nicht zuverlässig und schnell zurück. Damit kann ich nicht arbeiten, den habe ich dann gewechselt.

Für US-Transaktionen arbeite ich mit einem amerikanischen Anwalt von Proskauer zusammen; ansonsten mit einem Partner von Gibson Dunn. Er kennt sich auch mit dem Private-Equity-Umfeld hervorragend aus. Schwierige Arbeitsrechtsfragen klären wir mit einer Partnerin bei Gleiss Lutz, natürlich geht es da auch um die Kanzlei-Marke; die gibt Vertrauen. Kleinere Arbeitsrechtsthemen lösen wir mit unserem sehr guten Inhouse-Lawyer, ansonsten arbeiten wir mit kleineren Kanzleien aus Hamburg zusammen. Aber ganz ehrlich: Da stimmt die Qualität leider nicht immer. Zwei Kanzleien haben wir schon verworfen.

„Einen Spitzenberater erkenne ich daran, dass er mich führt.
Ein „normaler“ Anwalt legt die Optionen dar.“

Einen Spitzenberater erkenne ich daran, dass er mich führt. Ein „normaler“ Anwalt legt die Optionen dar. Ein besserer Anwalt bewertet sie. Aber ein Spitzenanwalt gibt eine klare Empfehlung, wie er es an meiner Stelle machen würde. Das ist natürlich auch ein größeres Risiko, wenn etwas schiefgeht. Das trauen sich nur die Besten.

Ganz wichtig ist mir auch, dass mich mein vertrauter Berater frühzeitig auf Relevantes aufmerksam macht. Ich will keinen Newsletter lesen, welche Gesetzesänderungen es gab. Sondern dass er mich anruft und sagt: „Das und das ändert sich und wirkt sich so auf Ihr Geschäft aus.“ Dazu muss er mein Geschäft gut kennen und verstehen. Wer sein Mandat ernst nimmt, kommt frühzeitig auf seinen Mandanten zu. Das sollte wie bei einem Vermögensverwalter sein. Der ruft mich auch an und sagt: „Die Märkte drehen gerade. Wir müssen reden.“ Insbesondere der Steuerberater sollte so immer mitdenken. Da bin ich für Anregungen auch sehr offen. Der Anwalt wird ja tendenziell erst einbezogen, wenn es konkreteren Bedarf gibt. Aber der Steuerberater ist schon ganz früh eingebunden in alles, was das Unternehmen betrifft.

Preis erst an dritter Stelle

Der Preis ist nicht irrelevant, aber er kommt für mich erst an dritter Stelle. Bei M&A-Transaktionen geht es um so gewaltige Summen und Risiken, da nehme ich den Besten, weitgehend ohne Rücksicht auf die Preise. Da zahle ich auch mal 700 Euro die Stunde. Ich empfinde es als unpassend, die Berater nach Term-Sheets zu fragen. Deren Leistungen sind ihre Kosten wert, darauf und auf die Seriosität vertraue ich und frage nicht nach einem Stundennachweis. Klar, man kann nie sicher sein, ob man nicht doch übervorteilt wird. Einmal hatte ich ein privates, relativ überschaubares Thema an meine Berater gesandt, doch in deren Organisation wurde das Thema derart aufgeblasen, dass die Rechnung fünfstellig wurde – ohne dass etwas Brauchbares dabei herausgekommen war. Meine Antwort war: „Ich zahle die Rechnung, aber das war dann das letzte Mal, dass wir zusammengearbeitet haben.“ Wir haben uns dann geeinigt.

Welche Neuerungen die Digitalisierung im Rechtsbereich bringen wird, kann ich nicht richtig beurteilen. Natürlich sind Recherchen heute sehr viel schneller und mit besserer Qualität durchzuführen, als das früher der Fall war. Damals habe ich noch Studenten in ehemalige DDR-Patentämter geschickt, um zu recherchieren. Heute können Dokumente viel einfacher gefunden werden. Neben dem Wissensmanagement wird auch das Dokumentenmanagement dank Digitalisierung viel effizienter. Ich denke, dass die Digitalisierung Zeit bei den Kanzleien einspart, gerade auch im M&A-Bereich, wenn es um die Sichtung komplexer Dokumente geht. Aber dagegen stehen natürlich Initialkosten für die Anschaffung dieser Systeme. Würde ich als Kanzlei diese Kostenersparnis an den Mandanten weitergeben? Nein – wenn es sich irgendwie vermeiden ließe, dann nicht. Ich erwarte dementsprechend auch keine Kostensenkungen durch die Digitalisierung. Digitales wird kommen. Aber die persönliche Beratung, der direkte Austausch ist für mich nicht zu ersetzen.“

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