„Die Geschäftsmodelle von Banken und Debt-Fonds ergänzen sich gut“

Private Debt in Symbiose mit Banken – geht das? Moritz Frerker vom Debt-Fonds Patrimonium spricht im Interview über die Zusammenarbeit zwischen Debt-Fonds und Banken und ein bereits etabliertes Kooperationsmodell mit der Credit Suisse.

Herr Frerker, Sie sind gelern­ter Bankkaufmann und haben sowohl für eine Sparkasse als auch für eine internationale Geschäftsbank gearbeitet. Seit über drei Jahren sind Sie für den Schweizer Debt-Fonds Patrimonium aktiv. Glauben Sie etwa nicht mehr an die Zukunft der Banken?

Moritz Frerker: Banken übernehmen mit der Kreditversorgung von Unter­nehmen eine sehr wichtige Funktion in Volkswirtschaften. Sie betreiben ihr Ge­schäft jedoch auf Basis einer stark gehe­belten Bilanz mit relativ wenig Eigenka­pital. Daher sind sie auch anfälliger für Krisen. Der Regulierer hat diese syste­mische Schwäche der Banken erkannt und versucht gegenzusteuern. Ich erwar­te daher, dass sich das Geschäftsmodell der Banken in Zukunft verändern wird und Debt-Fonds einen Teil des Bankge­schäfts übernehmen werden.

Wo genau werden sich die Banken Ihrer Meinung nach zurückziehen?

MF: Die mittel- und langfristige Finan­zierung von Unternehmen mit mittlerer oder schwacher Bonität wird für Banken zunehmend unattraktiv. Debt-Fonds be­vorzugen hingegen die Bereitstellung von mittel- und langfristigen Finanzierungen – je nach Strategie auch explizit bei mittle­ren und schwachen Bonitäten. Die Banken werden sich im Kreditgeschäft zukünftig insbesondere auf die Finanzierung von Unternehmen mit guter bzw. sehr guter Bonität konzentrieren.

Wie sollen die Banken in dieser Rollenverteilung denn Geld verdienen?

MF: Indem sie sich insbesondere auf we­niger kapitalintensives Geschäft fokus­sieren, sprich auf kurzfristiges Kreditge­schäft einerseits und das Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft andererseits. In dieser Rollenverteilung ergänzen sich die Geschäftsmodelle von Banken und Debt-Fonds gut.

In welchen Situationen finanzieren Sie mit Partnern und wann lieber allein?

MF: Aus unserem Fonds für Sondersitu­ationen finanzieren wir Unternehmen, die keinen Zugang mehr zu einer Bank­finanzierung haben – z.B. aufgrund ei­ner Restrukturierung oder Insolvenz. In diesen Fällen bevorzugen wir es, allei­niger Finanzierungspartner zu sein. Fi­nanzierungen für bonitätsstarke Unternehmen in stabilen Situationen eignen sich hingegen für eine Kooperation zwi­schen Bank und Fonds. Aus unserem Direct-Lending-Fonds finanzieren wir insbesondere profitable Unternehmen, die eine Wachstums- und/oder Ak­quisitionsfinanzierung benötigen. Mit einem weiteren Fonds finanzieren wir gemeinsam mit der Credit Suisse mit­telständische Unternehmen mit guten Bonitäten.

Was steckt hinter dieser Kooperation?

MF: Das lässt sich gut an einem fiktiven Beispiel veranschaulichen: Ein Kunde fragt einen Kredit über – sagen wir – 100 Mio. EUR bei der Bank an. Die Credit Suisse kann oder will davon aber nur 60 Mio. EUR auf die eigenen Bücher neh­men. Die restlichen 40 Mio. EUR kom­men dann aus unserem Fonds.

Klingt nach einer Win-win-Situation.

MF: Absolut. Für die Credit Suisse ist das Geschäft weniger kapitalintensiv und sie vermeidet gleichzeitig eine Konsortialfi­nanzierung im Banken-Club, mit dem sie anschließend im Cross-selling konkur­rieren würde. Und neben der Bank und dem Debt-Fonds profitieren auch institu­tionelle Investoren. Sie erhalten dadurch die Möglichkeit, in erstklassige Unterneh­menskredite zu investieren.

Laufen Sie nicht Gefahr, dass Ihr Kooperationspartner das Modell ausnutzt, um seine schlechten Kredite bei Ihnen abzuladen?

MF: Wir haben zwei Mechanismen im­plementiert, um das zu verhindern: Ers­tens haben wir ein Auswahlrecht und können jeden einzelnen Kredit ableh­nen. Zweitens muss die Credit Suisse immer auch selbst investiert bleiben. Sie tritt also nicht nur als Vermittler auf, son­dern behält immer einen signifikanten Teil des Risikos in den eigenen Büchern, solange der Fonds investiert ist.

Wo ist der Haken? Bislang findet das Modell nicht viele Nachahmer.

MF: Wir sind damit Vorreiter im deutsch­sprachigen Raum. Ich kann mir gut vor­stellen, dass sich viele Banken und Debt-Fonds aktuell mit diesem Gedanken beschäftigen – u.a., weil bei diesem Mo­dell die Bank und der Fonds aufgrund identischer Risikopositionen gleichge­richtete Interessen haben, was bei an­deren Kooperationsmodellen nicht im­mer so ist.

Damit spielen Sie bestimmt auf die sogenannten FOLO-Strukturen an – also das Kooperationsmodell, bei dem sich eine Bank und ein Debt-Fonds quasi eine Unitranche untereinander aufteilen und das vor allem bei LBO-Finanzierungen häufig genutzt wird.

MF: FOLO steht für „First-out, Last-out“ und hat per Definition zur Folge, dass die Finanzierungspartner inner­halb eines Instruments unterschied­liche Risikopositionen haben. Ver­einfacht gesagt, nimmt die Bank eine niedrigere Rendite in Kauf, steht im Rang dafür aber vor dem Debt-Fonds. Der Debt-Fonds wiederum bekommt für das höhere Risiko eine höhere Rendite und steht im Rang hinter der Bank. Daraus können unterschiedliche Interessenlagen resultieren.

Höheres Risiko = höhere Rendite. Wo liegt das Problem?

MF: Diese Struktur kann für Kreditneh­mer und Finanziers nachteilig sein, soll­te die Gesellschaft sich nicht so entwi­ckeln wie zu Beginn erwartet. Es gibt jedoch Konstellationen, in denen FOLO-Strukturen durchaus vertretbar sind. Als Faustformel gilt: Je stabiler die Situation und je bonitätsstärker das Unternehmen, desto eher würde ich eine FOLO-Struk­tur akzeptieren.

Foto: Patrimonium