Expansion ins Ausland: Strategien zur Risikominimierung

Viele kleine und mittlere Unternehmen sammeln erste Auslandserfahrungen mit dem Import und Exportgeschäft, bevor sie über Investitionen in anderen Ländern nachdenken. Damit die Risiken überschaubar bleiben, sind eine gute Vorbereitung und eine entsprechende Absicherung ratsam.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Juli 2019 Waren im Wert von 115,2 Mrd. EUR exportiert. Dies entsprach einer Steigerung von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Importe blieben mit einem Minus von 0,9 Prozent relativ stabil und bewegten sich mit 93,7 Mrd. EUR immer noch auf einem Höchstniveau. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Auslandsaktivitäten für Unternehmen ein wichtiger Bestandteil ihrer Geschäfte sind und dass die Internationalisierung, auch im KMU-Bereich, weiter fortschreitet.

Bei der Entscheidung, sich in anderen Ländern engagieren zu wollen, spielen bei Exporteuren die Erschließung neuer Absatzmärkte, bei Importeuren mögliche Kosteneinsparungen und die Erweiterung der Produktpalette eine Rolle. Doch ein Engagement im Ausland ist auch mit Risiken verbunden. Was im eigenen Land gut läuft, muss nicht automatisch im Ausland funktionieren.

Politische und wirtschaftliche Risiken

Im Außenhandel fallen die sprachlichen und kulturellen Hürden, die unterschiedlichen Rechtssysteme, Vorschriften, die soziale und politische Stabilität sowie der Zustand der Infrastruktur ins Gewicht. Zu unterscheiden ist hier generell zwischen Länderrisiken und wirtschaftlichen Risiken, von denen sowohl Exporteur als auch Importeur in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sind.

Bei Exporteuren geht es nicht nur darum, ob und wie ein Produkt auf einen anderen Markt passt, sondern auch um Marktanalysen, eine angepasste Marketingstrategie, Absatzwege, Kundenstruktur und Kaufkraft. Dazu kommen Investitionen in die Anpassungen an Kundenwünsche und Regularien im Zielland, wie z.B. Haftung, Verpackung, Übersetzung der Gebrauchsanweisungen und Kundenservice.

Zusätzlich zu den Anpassungen an den Markteintritt sind Exporteure den politischen Risiken ausgesetzt. Diese können von einem staatlich angeordneten Konvertierungsverbot der Landeswährung über ein Zahlungsverbot oder Moratorium bis zu Beeinträchtigungen durch Kriege, Unruhen, Streiks oder ein Embargo in dem betreffenden Land reichen. Solche Ereignisse können dazu führen, dass dem Abnehmer die Bezahlung nicht möglich ist, dass die Ware verloren geht, beschlagnahmt oder beschädigt wird. Wirtschaftliche Risiken, die Exporteure im Auge behalten müssen, sind das Debitoren- und das Fabrikationsrisiko. Dies bedeutet, dass ihr Vertragspartner zahlungsunfähig oder -unwillig ist, er den bestehenden Auftrag nach teilweiser bzw. ganzer Fertigstellung storniert, abändert oder die gelieferte Ware nicht annimmt. Alle diese Risiken können jedoch durch Bank- und Versicherungsinstrumente abgesichert werden.

Importeure profitieren von günstigen Einkaufsmöglichkeiten im Ausland sowie von einer Erweiterung ihres Sortiments und damit von der Möglichkeit, im Heimatmarkt höhere Gewinne zu erzielen. Spezielle Risiken sind das Vertragserfüllungsrisiko, das auch politisch beeinflusst sein kann, und das Transferrisiko für geleistete Anzahlungen. Auch hier kann eine Absicherung durch direkte oder indirekte Bankgarantien oder durch eine Warenkontrolle mittels einer Treuhandfirma erfolgen.

Währungsschwankungen als Unsicherheitsfaktor

Sowohl für Importeure als auch für Exporteure spielen Währungs-, Zins- und Transportrisiken eine Rolle. Während das Transportrisiko relativ einfach über eine entsprechende Versicherung oder durch die Übertragung auf den Vertragspartner minimiert werden kann und das Zinsrisiko nur bei Finanzierungen anfällt, sind Effekte durch Kursschwankungen differenzierter zu betrachten, da sie sowohl Chancen als auch Risiken beinhalten. Deutsche Exporteure haben natürlich die Möglichkeit, in Euro zu fakturieren, und vermeiden somit jegliche Kursverluste. Sollte aus bestimmten Gründen jedoch die Währung des Ziellandes gewählt werden, besteht die Gefahr eines geringeren Erlöses bei Abwertung der Fremdwährung. Gleiches gilt für Importeure. Sollte für sie die Bezahlung in der Währung des Exportlandes bindend sein, so haben sie bei der Abwertung ihrer Währung höhere Kosten.

Exporteure und Importeure können zudem einem Währungsrisiko ausgesetzt sein, wenn z.B. wie oft bei Handelsgeschäften mit China in einer Drittwährung (US-Dollar) gezahlt wird. Allerdings liegen in diesen Kurschwankungen auch Chancen. Erhöht sich der Euro-Kurs im Vergleich zur Zielwährung, verbilligen sich die Preise für Importeure und es werden zusätzliche Gewinne generiert. Schwächelt der Euro, können Exporteure von einer erhöhten Nachfrage profitieren, da die Waren aus dem Euro-Raum günstiger werden.

Wechselkursschwankungen können sich gravierend auf Geschäftserfolge auswirken. Die Einführung einfacher Absicherungsmaßnahen oder strategischer Hedging-Lösungen kann den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen. Devisenoptionen ermöglichen es, Risiken effizient zu steuern und gleichzeitig positive Entwicklungen der Kursschwankungen zu nutzen. Währungsbewegungen sollten daher schon in der Kalkulationsphase berücksichtigt werden. Gemeinsam mit Spezialisten lassen sich geeignete Strategien zur Risikominimierung entwickeln.

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