Kunststück Podcast

Gute Podcasts sind keine Frage des Talents, sondern vor allem von Übung, sagt Medienprofi Wilhelm Kötting. Was oft so leicht und spontan wirkt, ist in Wirklichkeit harte Arbeit.

Herr Kötting, Video- und Audio-Podcasts gelten als wichtiger Bestandteil eines guten Online-Marketings. Viele Kanzleien wissen aber nicht so genau, wie sie das Thema angehen sollen. Haben Sie ein paar Tipps?

Wilhelm Kötting: Bevor es an die Umsetzung der Podcasts geht, sollten ein paar grundsätzliche Fragen vorab geklärt werden. Welche Zielgruppe soll adressiert werden? Was interessiert diese Zielgruppe? Welche Themen kann ich überhaupt anbieten? In welcher Frequenz kann ich einen Podcast produzieren? Und wer wird in der Kanzlei dafür zuständig sein?

Wer sollte diese Aufgabe denn übernehmen?

WK: Die Zuschauer und Zuhörer sollen und wollen sich an das „Gesicht“ bzw. die „Stimme“ der Kanzlei gewöhnen. Daher sollte den Podcast ein Vertreter aus der Führungsriege übernehmen. Denkbar sind auch zwei Personen. Mehr sollten es aber nicht sein.

Worauf kommt es bei Podcasts an?

WK: Unternehmervertraute sind zumeist keine „Entertainer“, sondern eher nüchtern und präzise in ihren Ausführungen. Gut reden können und Vorträge halten ist aber nicht dasselbe wie eine Präsentation vor der Kamera oder in einem Audio-Podcast. Das Publikum erwartet neben Information auch Unterhaltung. Sonst setzt sich das Gehörte und Gesehene nicht in den Köpfen fest. Sowohl Video- also auch Audio-Podcasts verlangen eine Performance. Es ist ein bisschen wie beim Theater. Wenn man keine Emotionen herüberbringt, schläft das Publikum ein.

Wie lassen sich mit einem Audio-Podcast zu Rechts- und Kanzleithemen Emotionen erzeugen?

WK: Ein Audio-Podcast ist vergleichbar mit einer Radiosendung. Das ist die schwierigste Form des Journalismus. Das Kopfkino wird am besten bedient, indem man ein Gespräch inszeniert. Aussagen lassen sich oft gut in kleine Anekdoten verpacken oder anhand von Beispielen verdeutlichen. Dabei sollten die Antworten nicht mehr als sechs oder sieben Sätze umfassen. Redepausen sind dabei sehr wichtig und natürlich kommt es auch auf die Betonung an, die ruhig ein bisschen übersteigert sein darf. Am besten, man steht auf und gestikuliert. Auch wenn dies keiner sehen kann, wird es vom Publikum wahrgenommen.

Damit haben Sie die Latte aber ganz schön hoch gehängt.

WK: Je professioneller die Vorbereitung ist, desto größer ist die Chance, dass der Podcast gut bei den Zuschauern und Zuhörern ankommt. Auch wenn viele Podcasts wie eine spontane Aufnahme wirken, steckt dahinter enorm viel Arbeit. Das Auftreten vor der Kamera oder dem Mikrofon ist keine Kunst. Es ist eher ein Handwerk, das man erlernen kann. Allerdings gilt hier die Devise: üben, üben, üben. Bei den ersten Versuchen sollte ein Profi dabei sein, der im Zweifelsfall eingreifen und korrigieren kann. Das verhindert Fehler und gibt Sicherheit.

Was sind häufige Fehler?

WK: Gerade Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer verwenden oft für Videos und Audio-Podcasts keine Sprache, die dem Format und der Zielgruppe gerecht werden. Mit Fachchinesisch erreicht man die Zuschauer nicht.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, sich zu überschätzen, nach dem Motto: Ich mache das spontan, was soll schon passieren? Podcasts haben nicht nur den Zweck, Inhalte zu transportieren, sondern sich auch als Person und als Kanzlei seiner Zielgruppe zu präsentieren. Im Idealfall schafft das Vertrauen bei den bestehenden Mandanten, aber auch bei potenziellen Klienten und Bewerbern. Ist die Präsentation dagegen schlecht, wird Vertrauen verspielt, bevor es überhaupt wachsen kann.

Zudem fehlt es häufig an einem Konzept und der notwendigen Ausdauer. Oft wird mit viel Enthusiasmus begonnen. Später hat aber keiner mehr Zeit und Lust, sich um den Podcast zu kümmern. Der Wille, es langfristig und gut zu machen, muss da sein. Sonst sollte man es lieber lassen.

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