Augen auf beim Unternehmenskauf

Krisen sind Chancen, heißt es bekanntlich. Ist darum jetzt, in der Corona-Krise, die Zeit für Zukäufe günstig? Bevor Unternehmer aktiv werden, sollten sie mit kühlem Kopf prüfen, ob sich ein Zukauf momentan lohnt. Drei Schritte helfen bei der Entscheidung.

Unternehmer wissen: Wenn viel in Bewegung ist, bietet sich die Gelegenheit, die eigene Position zu verbessern. Am schnellsten gelingt das mit anorganischem Wachstum – so kann die Wertschöpfungskette erweitert, die eigene Marktposition gestärkt oder ein neuer Markt erschlossen werden. Folgende Punkte sollten vor einer Unternehmensakquisition geprüft werden.

Die eigene Situation reflektieren

Bevor Unternehmer Firmen für einen möglichen Zukauf prüfen, sollten sie mit einer kritischen Selbstschau beginnen: Haben die Pandemie und ihre Folgen Defizite und Chancen offengelegt? Viele Entwicklungen, die schon vor der Krise sichtbar waren, wurden nun noch beschleunigt, insbesondere im Bereich Digitalisierung. Wichtige Fragen werden darum sein: Wie nachhaltig werden die Veränderungen der Pandemie für das eigene Unternehmen, seinen Markt und die Kunden sein? Was fehlt, damit das Unternehmen von diesen Veränderungen – noch stärker und dauerhaft – profitieren kann? Und könnte es diese Lücken intern schließen oder wäre dies zu teuer bzw. zu langwierig? Geschwindigkeit wird in vielen Bereichen Trumpf sein, wenn die Krise überwunden ist und der erwartete Nachholeffekt eintritt.

Viele Unternehmen erkennen derzeit die Chancen und auch die Notwendigkeit digitaler Transformation. Dies hat aber dazu geführt, dass entsprechende Fach- und Führungskräfte rar sind. Jeder Plan sollte darum immer auch die Frage beantworten, wer das umsetzen kann. Arbeitskräfte am „Markt“ an- oder auch abzuwerben ist aufwendig; kein Wunder, dass viele Unternehmen andere Firmen wegen ihrer Talente kaufen.

Wer diese Fragen geprüft hat und zum Schluss gekommen ist, dass ein Zukauf genau die richtige Lösung wäre, sollte noch einen weiteren wichtigen Aspekt bedenken: Die Umsetzung eines Kaufprozesses ist aufwendig und benötigt Kapazitäten. Den eigenen Geschäftskern zu vernachlässigen kann gefährlich werden, weil das Ende der Krise noch nicht erreicht ist. Begleiter wie M&A-Berater sind im Transaktionsprozess sicherlich hilfreich. Viele Unternehmen, die regelmäßig zukaufen, setzen allerdings lieber auf eigene Spezialisten.

Opportunitäten prüfen

Die Suche des richtigen Zielunternehmens für einen Zukauf gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. M&A-Berater können die mühsame Recherche und anonyme Erstansprache übernehmen und so Zeit sparen.

Sofern ein passender Kandidat gefunden wird, stellt sich die Frage: Wie sehen die Konditionen für den Erwerb aus? Technologieunternehmen waren schon vor der Krise sehr hoch bewertet. Inzwischen sind die Bewertungen noch weiter gestiegen. Schnäppchen sind hier nicht zu erwarten. Von der Corona-Krise gebeutelte Unternehmen wiederum drängen derzeit nicht zum Verkauf, wenn es sich vermeiden lässt. Es sind oft gerade die „Mauerblümchen“, Unternehmen mit solider Substanz, die sich als interessant erweisen.

Wer die Aktienmärkte verfolgt, kann sich über die Preissteigerungen nur wundern – und bang fragen: Wann kommt die große Korrektur? Die Antwort kennt niemand. Das Preisniveau erschien schon vor Jahren hoch, doch wer damals gekauft hat, kann sich rückblickend freuen, denn er hat vergleichsweise günstig eingekauft.

Darum sollten Kaufinteressenten nur kaufen, was Substanz hat und das Investment mindestens mittelfristig betrachten. Aber darauf zu warten, dass es nach dem Ende der Pandemie deutlich mehr Chancen gibt, ist auch keine Strategie mit Erfolgsgarantie: Das Angebot kann dann steigen, die Preise aber vielleicht auch.

Konkrete Gespräch führen

Wenn der Unternehmer schon das passende Zielobjekt identifiziert hat, steht der direkte Austausch an. Das ist in Zeiten gebotener Distanz nicht einfach. Auf digitalem Weg erreichen Verhandlungspartner viel, dennoch sollten sie nie auf einen persönlichen Besuch verzichten – nur so kann Vertrauen entstehen. Bei einem offenen Austausch geht es um Gemeinsamkeiten, Potenziale und Konditionen, vor allem aber um die Fragen: Wie aktuell und verlässlich sind die vorliegenden Zahlen? Welche Kriseneffekte müssen wie bewertet werden? Hier ist Erfahrung hilfreich. Der Wunsch, aktuelle Risiken abzufedern und einzupreisen ist zwar nachvollziehbar, er kann den Bieter aber seinen Platz in der Bieterrunde kosten. Denn auch das gehört aktuell zur Realität: Für attraktive Unternehmen gibt es genügend Kaufinteressenten. Das sollte Käufer aber nicht dazu verführen, Risiken einzugehen, die das eigene Unternehmen gefährden könnten. Mit kühler Analyse und dem richtigen, erfahrenen Partner an der Seite verbessern Kaufinteressenten auch 2021 die eigenen Erfolgschancen erheblich.

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