Last Exit: Unternehmensverkauf

Die Suche eines neuen Gesellschafters ist bei Unternehmen in Krisensituationen häufig die letzte und meist auch die erfolgversprechendste Lösung, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Der Markt für Unternehmenstransaktionen ist unter dem Einfluss der Corona-Krise fast zum Erliegen gekommen. Klassische Nachfolge- und Verkaufsprojekte, die nicht zeitkritisch sind, wurden entweder verschoben oder werden erst gar nicht mehr angebahnt. Die Gesellschafter und Geschäftsführer sind mit dem Liquiditätsmanagement, der Umsatzsicherung oder der Beantragung von Kurzarbeitergeld ausgelastet. Die Ansprache potenzieller Kaufinteressenten wird durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit deutlich erschwert. M&A ist „People’s Business“ – da ist es nicht förderlich, wenn die Kommunikation nur online oder unter Einhaltung eines Mindestabstands von zwei bis drei Metern möglich ist.

Kauf aus der Insolvenz?

Dennoch finden sich auch in dieser Zeit einige Käufer, die auf der Suche nach günstigen Gelegenheiten sind. Auf der Verkäuferseite werden vor allem Unternehmen angeboten, die sich direkt vor oder bereits in der Insolvenz befinden. Bei Letzterem ist es für den Käufer unerheblich, ob es sich um eine Eigenverwaltung oder ein Regelinsolvenzverfahren handelt. Der Verkauf dient dazu, mithilfe eines Investors die Erfolgs- und damit einhergehend die Liquiditätskrise abzuwenden. Solche Verkaufsprozesse sind immer zeitkritisch, da die Gefahr besteht, dass Mitarbeiter und Kunden verloren gehen oder sich Aufträge nicht mehr ausführen lassen. Aus Sicht des Erwerbers ist der Kauf aus der Insolvenz heraus stets dem vorinsolvenzlichen Kauf vorzuziehen. Die Vorteile des Ersteren sind: größere Rechtssicherheit, geringere Risiken und meist niedrigere (Brutto-) Kaufpreise. Zudem besteht die Chance, dass ein Teil der oftmals notwendigen Restrukturierung bereits vom Insolvenzverwalter eingeleitet wurde. Trotzdem sind in solchen Fällen eine gewisse Portion „Hemdsärmeligkeit“ und Pragmatismus sowie guter juristischer Beistand erforderlich.

Carve-out?

Erwerber von Krisenunternehmen sind häufig unternehmerisch geprägte Family Offices oder Finanzinvestoren, die Erfahrung mit Restrukturierungsfällen haben. Die tatsächlich fließenden Kaufpreise sind in der Regel eher gering. Da die Käufer meist nicht bereit sind, risikobehaftete Investments mit viel Eigenkapital zu finanzieren und Banken sich mit der Finanzierung von Krisenunternehmen schwertun, kommen i.d.R. alternative Finanzierungsformen zur Anwendung. Dazu zählen das Factoring bei gut verkaufbaren Forderungen als Ergänzung oder Ersatz für eine Kontokorrentfinanzierung, klassisches Asset-based Lending oder Sale & Lease Back. Gerade das letztgenannte Instrument findet häufig Anwendung bei Unternehmensvermögen in Form von Grundstücken und Gebäuden oder größeren Maschinen als Bestandteil des Geschäftsbetriebes. Als Bewertungsgrundlage dient somit häufig der sogenannte Liquidationswert – der dann, ggf. abzüglich zusätzlicher Abschläge, als Sicherheit für die korrespondierende Finanzierung dient. Selbstverständlich lassen sich diese Finanzierungsformen auch statt eines Verkaufs prüfen und einsetzen – nur löst Finanzierung meist nicht Strategie- oder Erfolgskrisen.

Optionen abwägen

Gerade in Krisenzeiten ist die geordnete Übergabe an einen neuen Eigentümer ein probates Mittel, wenn der aktuelle Gesellschafter nicht mehr der „Best Owner“ ist. Unternehmervertraute wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind aufgrund der Nähe zu ihren Mandaten häufig am ehesten in der Lage, den Gesellschafter in Krisensituationen dafür zu sensibilisieren, welche Optionen vom zügigen Verkauf über die Prüfung von alternativen Finanzierungsformen bis hin zu einer „gesteuerten“ Insolvenz infrage kommen. Bei der Evaluierung kann die Einbindung eines M&A-Beraters für Special Situations sinnvoll sein, da dieser aufgrund seiner Erfahrung und seines Netzwerkes die Möglichkeit hat, die Abwägung der Optionen zu unterstützen und die Umsetzung zu begleiten.

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