Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensübertragung

Die Nachfolge ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Unternehmers. Sie erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und einen guten Plan. Unternehmer, die sich frühzeitig mit dem Ende ihrer Unternehmerkarriere auseinandersetzen, stellen sicher, dass das Ergebnis des Übergabeprozesses so weit wie möglich ihren Zielen entspricht.

Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Unabhängig davon, in welcher Situation sich der Unternehmer und dessen Unternehmen befinden, ist es von entscheidender Bedeutung, sich frühzeitig mit der eigenen Nachfolge auseinanderzusetzen. Dabei sollten die Ziele des Unternehmers klar definiert und ein Nachfolgeplan erarbeitet werden, um gleichzeitig das eigene Lebenswerk zu sichern und den Bedürfnissen des Unternehmers und seiner Lebensplanung gerecht zu werden.

Die erfolgreiche Übergabe findet heute im Alter von durchschnittlich 60 Jahren statt, 15 Jahre früher als noch vor einigen Jahren. Diese Tendenz ist begrüßenswert, denn je länger man war­tet, desto schwieriger gestaltet sich der Prozess und desto geringer sind die Chancen, das Unternehmen erfolgreich zu übergeben und einen attraktiven Wert zu erzielen.

Antworten finden

Bevor der Übergabeprozess eingeleitet wird, sollten Sie einige Fragen beantwor­ten, da diese über die weiteren Schritte entscheiden:

  • Klare Ziele definieren: Einige Unter­nehmer wollen weiterhin im Unternehmen arbeiten, andere nicht. Wie weit sind Sie in das Tagesgeschäft eingebunden? Wie wollen Sie Ihre freie Zeit nach dem Ausstieg verbringen? Können Sie loslassen?
  • Bereitschaft prüfen: Ergründen Sie, inwieweit der Ausstieg finanziell realistisch ist und ob Sie loslassen können. Entwickeln Sie ein Verständnis für den Wert der gewählten Nachfolgeoption.
  • Strukturen anpassen: Schaffen Sie eine Struktur und ein Geschäftsmodell, das ohne Sie funktioniert. So finden Sie den besten Käufer und erzielen die höchste Bewertung.
  • M&A-Prozess vorbereiten: Sorgen Sie für eine maßgeschneiderte Finanzierung/M&A-Struktur.
  • Auswahl der Partner: Eine erfolgreiche Transaktion setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Steuerberater, dem Rechtsberater und einer international aufgestellten Corporate-Finance-Beratung mit Branchenexpertise und weltweitem Zugang zu potenziellen Investoren und Käufern voraus.

Priorisierung von Interessen

Wenn die Ziele definiert sind, sollten die jeweiligen Prioritäten festgelegt werden. Diese können bspw. sein:

  • Fortbestand als eigenständiges Unternehmen
  • langfristige und nachhaltige Lösung, insbesondere in Bezug auf eine sichere Zukunft für Mitarbeiter
  • Finanzierung nötiger Investitionen in Technologie, Prozesseffizienz etc.
  • Sicherung der eigenen Vermögenslage und Realisierung des echten Unternehmenswerts
  • Übergabe des Lebenswerkes
  • Versorgungssicherheit für Familienmitglieder
  • Wahrung des Rufs als guter Eigentümer nach dem Verkauf

Finanzielle Absicherung

Bei der Bewertung des eigenen Lebenswerkes objektiv zu bleiben ist nicht einfach. Folglich wird der Wert des Unternehmens häufig überschätzt. Lassen Sie sich helfen, den Marktpreis für Ihre Anteile und geeignete Strukturen zu finden. Eine einfache Abzinsung der Erträge im Rahmen einer Ertragsbewertung/Discounted-Cashflow-Bewertung führt regelmäßig zu unrealistischen Ergebnissen.

Eine Fehleinschätzung im Hinblick auf den Unternehmenswert kann zu einer mangelnden Absicherung im Alter führen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Wert der eigenen Firma eines aktiven Unternehmers häufig über 70 Prozent seines Gesamtvermögens entspricht. Weiterhin existieren meist Verflechtungen wie Gesellschafterdarlehen, persönliche Haftungen für Firmenkredite und Mieterträge aus Immobilien. Oft steht die wirtschaftliche Existenz des in die Jahre gekommenen Unternehmers und seiner Familie auf dem Spiel. Häufig hat er seine Altersvorsorge zugunsten unternehmerischer Investitionen vernachlässigt und es stand ihm für Familie, Hobbys oder Urlaub nur wenig Zeit zur Verfügung. Eine fehlende Diversifikation, Liquidität sowie Abhängigkeit von der eigenen Arbeitskraft und Gesundheit stellen mit zunehmendem Alter ein beachtliches Risiko dar.

Unabhängigkeit ist wichtig

Mittelständische Unternehmen sind i.d.R. stark durch ihre Eigentümer geprägt. Diese sind Know-how-Träger, haben entscheidende Kontakte zu Kunden und Lieferanten und genießen großes Vertrauen bei den Mitarbeitern. In patriarchalisch geführten Unternehmen fehlt es aber oft an einer durchsetzungsfähigen Fremdgeschäftsführung und kompetenten zweiten Führungsebene. Dies ist aber eine notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Nachfolge.

An wen der Unternehmer sein Lebenswerk überträgt, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist es, unvoreingenommen an das Nachfolgethema heranzugehen und realistisch in Bezug auf die Zielerreichung zu bleiben.

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