Mit Investitionen Wirkung erzielen

Ökologische, soziale und wirkungsorientierte Aspekte spielen bei der Geldanlage eine immer größere Rolle. Ihre Bedeutung dürfte weiter zunehmen, zumal ESG-Kriterien bei Börsenturbulenzen die Wertentwicklung sogar stabilisieren können.

Der Ausbruch des Coronavirus hat die Art, wie wir arbeiten, wie wir reisen, wie wir uns begegnen, kurzum: unseren Alltag, spürbar verändert. Es spricht vieles dafür, dass diese neue „Normalität“ in vielen Bereichen unseres Lebens auch nach Corona Bestand haben wird. Die aktuelle Krise bietet auch die Gelegenheit, die Diversifikation des Vermögens in einen erweiterten Kontext der Nachhaltigkeit und Wirkung von Investments zu setzen.

Kein Verzicht auf Rendite

Das weitverbreitete Vorurteil, Nachhaltigkeit gehe zulasten der Rendite, ist inzwischen längst widerlegt. Nachhaltige Investments – sowohl in Einzelwerte als auch in entsprechende Indizes – haben sich in den vergangenen Monaten vergleichsweise besser entwickelt als ihre klassischen Pendants. Nach einer Untersuchung der Fondsgesellschaft Fidelity entwickelten sich Unternehmen mit einem Top-ESG-Rating, d.h. nach Kriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie Unternehmensführung (Environment, Social, Governance = ESG), um fast vier Prozentpunkte besser als der US-Index S&P 500. Die Unternehmen mit den schlechtesten ESG-Ratings verloren dagegen in der Krise noch deutlicher als der Gesamtmarkt.

Dynamisches Wachstum

Die stabilisierende Funktion nachhaltiger Anlagen in volatilen Zeiten ist auch den privaten Investoren nicht verborgen geblieben: Während die Nachfrage der privaten Investoren nach nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland zwischen 2012 und 2018 noch bei durchschnittlich acht Prozent pro Jahr lag, schnellte sie im vergangenen Jahr um 96 Prozent nach oben, wodurch sich die privaten Anlagen in nachhaltige Fonds und Mandate von 9,4 Mrd. auf 18,3 Mrd. EUR fast verdoppelt haben, wie aus dem „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2020“ des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hervorgeht. Der Anteil der ESG-Investments am deutschen Gesamtfondsmarkt hat 2019 erstmals die Fünf-Prozent-Hürde genommen.

Noch dynamischer als das ESG-Segment wächst der Markt für wirkungsorientiertes Investieren (Impact Investing) – wenn auch auf einem sehr viel niedrigeren absoluten Niveau. Identifizierte die Bertelsmann Stiftung für 2015 noch ein Marktvolumen von gerade einmal 69 Mio. EUR, weist der Bericht des FNG für 2019 ein Impact-investiertes Vermögen von 8,1 Mrd. EUR aus. Eine immer wichtigere Rolle für Impact- Investoren spielen die Sustainable Development Goals (SDGs). Die SDGs sind Teil der Agenda 2030, die 2015 von den Mitgliedern der Vereinten Nationen unterzeichnet wurde. Sie decken die komplette Bandbreite der Herausforderungen ab, vor denen die Welt in den nächsten Jahrzehnten steht. Der größte Anteil des investierten Volumens in SDG-Strategien entfällt mit 520 Mio. EUR auf das Ziel „Gesundheit und Wohlergehen“. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Ziele „bezahlbare und saubere Energie“ sowie „nachhaltige Städte und Gemeinden“.

Noch viel Aufklärungsbedarf

Bis das Thema in der Breite der Investoren angekommen ist, müssen alle Beteiligten aber noch jede Menge Arbeit leisten. Vielversprechend ist, dass auch die Regulatoren inzwischen die Anforderungen an eine nachhaltige und wirkungsorientierte Geldanlage höher gewichten. Zudem organisieren sich Investorengruppen teilweise selbst in eigenen Verbänden, um ein gemeinsames Verständnis für den Markt und ihre Rolle zu entwickeln. Das ist wichtig, da trotz aller Aufklärung immer noch häufig eine Vermischung der Begrifflichkeiten stattfindet. Nachhaltigkeit, ESG, Impact Investing oder SDGs sind nur einige Schlagworte, die in diesem Zusammenhang oft für Verwirrung sorgen. Und nicht alles was als nachhaltig oder wirkungsorientiert vermarktet wird, ist es am Ende auch.

Illustration: 123rf.com/venimo