Family Equity: geduldiges Kapital auch in Krisenzeiten

Durch die Corona-Krise ist der Transaktionsmarkt für mittelständische Firmen stark eingebrochen. Eine Käufergruppe, die mit einer langfristigen Perspektive weiterhin attraktive Preise und wertvolle Expertise bieten kann, sind Familieninvestoren.

Sowohl in Krisenzeiten als auch außerhalb bieten Familieninvestoren potenziellen Beteiligungen nachhaltige Wachstums- und Expansionsperspektiven ohne den üblichen Renditedruck. Doch die Unterstützung geht über die rein finanziellen Aspekte und das Bereitstellen von Beteiligungskapital hinaus: Familieninvestoren sind i.d.R. selbst Unternehmer oder verfügen über einen unternehmerischen Hintergrund. Sie kennen die Probleme und Herausforderungen, aber auch die Werte und Perspektiven von Familienunternehmen und können deshalb mit den Firmengründern und Managern auf Augenhöhe sprechen. So entstehen nicht nur langfristige Partnerschaften, die auf gemeinsamen Werten basieren. Familieninvestoren können ihre Beteiligungen auch gezielt operativ unterstützen. Denn sie verfügen über langjährige Erfahrung, branchenübergreifende strategische Expertise und haben Zugang zu internationalen Netzwerken aus Unternehmern, Experten und Multiplikatoren. Dadurch bekommen die Familienunternehmen exakt die Unterstützung, die sie gerade benötigen.

Vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Ungewissheit ist dies von unschätzbarem Wert, denn Unternehmen erhalten so die notwendige Sicherheit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mit diesem breiten Ansatz aus geduldigem Kapital und partnerschaftlicher, wertebasierter Unterstützung können Familieninvestoren dabei helfen, den Fortbestand von Unternehmen zu sichern – sowohl in der Krise als auch darüber hinaus.

Verkäuferfreundliche Bewertungen – trotz Corona

In Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen kann die Verfügbarkeit von Fremdkapital, das typischerweise von Beteiligungsfonds zur Finanzierung von Transaktionen eingesetzt wird, zum Flaschenhals werden. So ist nach Berechnungen von GCA Altium das Kreditvolumen für Finanzierungen von Unternehmensübernahmen im deutschen Mittelstand im zweiten Quartal 2020 um 60 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre eingebrochen. Auch für das Gesamtjahr 2020 rechnen die Experten mit einer deutlichen Einschränkung bei der Verfügbarkeit von Finanzierungen. Familieninvestoren haben hier den Vorteil, dass sie im Regelfall weit weniger Fremdkapital einsetzen als andere Marktteilnehmer oder mithin gänzlich auf den Einsatz verzichten. Damit reduziert sich auch das Risiko der Investition für sich beteiligende Manager oder Unternehmer.

Zudem können Familieninvestoren auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten aus der Sicht des Verkäufers sehr attraktive Kaufpreise bieten. Im Gegensatz zu klassischen Finanzinvestoren haben sie i.d.R. einen längeren Anlagehorizont und konzentrieren sich auf das langfristige Potenzial des Unternehmens.

Erfolgreiches Wachstum – auch in der Wirtschaftskrise

Als Familieninvestor hat sich Bregal Unternehmerkapital bspw. während der Finanz- und Automobilkrise im Jahr 2011 am Automobilzulieferer Novem Car Interior Design aus dem bayerischen Vorbach beteiligt und diesen in den darauffolgenden Jahren sehr erfolgreich weiterentwickelt (siehe „Die Unternehmervertrauten“ 04/2019).

Auch während der Corona-Krise konnte Bregal mit seinem Ansatz zur Krisenbewältigung ein weiteres Unternehmen in turbulenten Zeiten durch eine Wachstumsfinanzierung unterstützen: Im Juni 2020 beteiligte sich Bregal an der GUS Gruppe, einem führenden deutschen Anbieter integrierter Softwarelösungen für die mittelständische Prozessindustrie. Neben dem weiteren Wachstum im Kerngeschäft mit Enterprise-Resource-Planning-Software soll mit der Beteiligung das Portfolio rund um Laborinformationssysteme und Customer-Relationship-Management-Softwarelösungen ausgebaut werden. Wie im Fall von Novem ist auch diesmal das Ziel, nicht nur die Krise zu überstehen, sondern auch das kontinuierliche und nachhaltige Wachstum des Unternehmens voranzutreiben.

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