Private Equity Segen oder Fluch für Unternehmervertraute

Finanzinvestoren: Fluch oder Segen für Unternehmervertraute?

Wenn ein Mandant von einem Private-Equity-Investor übernommen wird, bedeutet das für den betroffenen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer zunächst einmal eine Veränderung des Status quo – ob zum Guten oder Schlechten, hängt von der jeweiligen Situation und auch vom Unternehmervertrauten selbst ab.

Kommt ein Finanzinvestor und nimmt mir meinen Mandanten weg: Die Angst von mittelständischen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, ihr langjähriges Beratungsmandat zu verlieren, sobald ein Private-Equity-Investor den Mandanten übernimmt, ist noch immer groß. Gefühlt ist die Furcht vor Finanzinvestoren sogar ungleich größer als vor Strategen. In der Realität geht von Konzernen jedoch eine größere Gefahr für Unternehmervertraute aus als von Finanzinvestoren.

Ein Stratege wird seine Zukäufe in der Regel integrieren. Dazu bringen die Unternehmen ihre eigenen Konzernprüfer mit. Private Equity ist natürlich keine Garantie, das Prüfmandat auf Dauer zu behalten. Die Wahrscheinlichkeit, es unmittelbar zu verlieren, ist aber deutlich geringer, da Private Equity lediglich ein Partner auf Zeit ist.

Vertreibung aus dem Paradies

Ein Gesellschafterwechsel bedeutet immer Veränderung – völlig unabhängig davon, ob der Käufer ein Stratege oder ein Finanzinvestor ist. Die über Jahre hinweg eingeschwungene Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmervertrautem und Unternehmer wird mit einem neuen Gesellschafter gehörig durcheinandergewirbelt.

Ein neuer Gesellschafter stellt das Unternehmen auf den Prüfstand. Von den Finanzen über die Governance bis hin zu den Steuern: Bei der Due Diligence werden Versäumnisse aus der Vergangenheit schonungslos aufgedeckt. Insbesondere bei kleinen, stark familiengeprägten Unternehmen sind privates und unternehmerisches Vermögen nicht immer ganz sauber getrennt. Für Neugesellschafter ist das ein No-Go, denn weder Strategen noch Finanzinvestoren möchten sich steuerliche Risiken ans Bein binden. Um diese Risiken aufzudecken, ist Private Equity auf die Hilfe von Unternehmervertrauten angewiesen.

Doch auch nach dem Einstieg brauchen Finanzinvestoren die Unternehmervertrauten. Bis zum Ausstieg des Private-Equity-Investors muss das Unternehmen blitzsauber sein. Eine der wesentlichen Aufgaben für Unternehmervertraute ist es deshalb, alle im Rahmen der Due Diligence festgestellten Mängel bis zum Verkauf zu beseitigen – und das möglichst geräuschlos.

Erwartungen an den Dienstleister

Diese Abhängigkeit verschafft den Unternehmervertrauten eine gute Verhandlungsposition gegenüber dem neuen Gesellschafter. Sie bedeutet für die Unternehmervertrauten aber auch mehr Arbeit, denn Private Equity stellt hohe Ansprüche an seine Dienstleister – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Neben den Aufräumarbeiten wartet auf Unternehmervertraute eine weitere große Aufgabe: der Aufbau und die anschließende Pflege eines professionellen Reportings – sofern dies noch nicht vorhanden ist. Die Reporting-Anforderungen eines Finanzinvestors sind i.d.R. deutlich höher als die eines Unternehmers. Bei alldem erwartet Private Equity von seinen Dienstleistern eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit und kurze Reaktionszeit. Wenn das Reporting am Montag fertig sein muss, es aber am Freitag noch nicht ist, wird eben am Wochenende gearbeitet.

Zudem wollen Finanzinvestoren Dienstleister, die klare Handlungsempfehlungen abgeben. Diese hohe Erwartungshaltung ist Finanzinvestoren dafür aber auch einiges wert: Private Equity bezahlt lieber mehr für gute Arbeit, wenn diese schneller erledigt wird. Mit jedem Deal bewegen die Investoren Millionen, da kommt es auf ein paar Tausend Euro Beratungskosten nicht an.

Chancen durch den Einstieg von Private Equity

Der Einstieg von Private Equity bringt dem Unternehmervertrauten zunächst mehr Arbeit, damit aber auch mehr abrechenbare Stunden. Da der Gewinn bekanntlich das Produkt aus Preis × Menge × Zeit ist, dürfte sich der Einstieg eines Finanzinvestors für Unternehmervertraute zumindest finanziell schon mal lohnen.

Speziell für die Steuerberater birgt der Einstieg von Private Equity auch große unternehmerische Chancen im Umfeld der Unternehmerfamilie. Der Altgesellschafter gibt zwar die Kontrolle über sein Unternehmen ab, dafür darf er sich aber über einen millionenschweren Geldeingang auf dem Konto freuen. Diesen Gewinn gilt es möglichst steuerschonend zu verwalten.

Hinzu kommen ggf. auch noch erbrechtliche Fragestellungen im Familienumfeld, die über Jahre hohen Beratungsbedarf erfordern. Der Wirtschaftsprüfer hängt am Unternehmen, der Steuerberater aber auch am Unternehmer. Dass er als Verlierer aus der Geschichte heraus­geht, ist sehr unwahrscheinlich.

Der Druck auf Unternehmer wird immer stärker: von innen heraus, weil der demografische Wandel eine familieninterne Nachfolgeregelung immer schwieriger macht; von außen, da der Investitionsdruck durch die digitale und nachhaltige Transformation der Wirtschaft wächst. Hinzu kommt, dass Unternehmer zunehmend krisenmüde wirken und dem Verkauf ihres Unternehmens weitaus offener gegenüberstehen als noch vor einigen Jahren. Unternehmervertraute müssen sich darum auf Veränderungen einstellen. Es ist an ihnen zu entscheiden, was sie daraus machen.

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